Langer (Sonntags)Lauf

13. Juli 2009 · 22 comments

Montag ist der neue Sonntag oder aber wenn man Sonntag lieben Besuch hat und nicht laufen will, dann kommt ein freier Montag dafür sehr gelegen.

Gleich müsste der Anruf meiner Eltern kommen, das sie wieder gut zu Hause angekommen sind. 500 Kilometer trennen uns nun wieder, machen einen kurzen Kaffeebesuch, einen kleinen persönlichen Plausch und einmal Drücken unmöglich – statt dessen ist das Telefon nun wieder unser Hauptkommunikationsmittel. Wehmütig war ich also als ich vorhin meine Schuhe schnürte und meinen langen SonntagsLauf antreten wollte … traurig und nachdenklich und nicht sonderlich euphorisch, ehre sogar skeptisch ob Gräten und  Köpfchen mitmachen wollten …

Blauer Himmel mit weißen Tuffwolken verziert, Fuel Belt befüllt und umgelegt, iPhone sicher verklemmt und los ging es …raus aus dem Ort und ab zur Nidda, schlau über Harheim und somit gleich die ersten drei Kilometer ohne Schatten in der doch kräftigen Sonne. Hoch oder runter? Hoch was bedeutet das ich Richtung Quelle (wo ich nie ankommen werde) laufe und somit dann bald mehr Schatten haben werde. Bei Kilometer 6 könnte ich das erste mal abbiegen und wäre drei Kilometer später zu Hause. Ich zweifle ernsthaft ob es heute klapp, ich will es so sehr, so verbissen und trotzdem blockiert mein Kopf. Also mal richtig reinhorchen was denn hier heute los ist. Beine sind okey, Füße auch und das Knie ist ebenfalls gnädig. Wetter ist schön, beinahe zu heiß aber ich habe ja meine Wasser mit und die Atmung ruhig – also ist es doch “nur” der Kopf, also weiter. Ich trabe langsam vor mich hin, errechne mir wann ich umkehren werde und tue dies bei Kilometer 9,5. Jetzt wieder in der knallenden Sonne sehne ich mich nur noch bis zum Römerbrunnen. Dort angekommen halte ich meine Arme in das kühle orange Nass, erfrische mich, mache eine kleine Pause und dann sind es plötzlich ja nur noch 5,8 Kilometer. Plötzlich hört es sich nicht mehr weit an, auch wenn sich meine Beine beim Anlaufen unheimlich schwer und unwillig anfühlen wollen. So trabe ich die letzten Kilometer, irgendwann auch mit den letzten Kräften nach Hause. Dort angekommen sind es dann doch stolze 16,2 Kilometer und das bei noch stolzeren 27 Grad geworden. Ich stürze mich unter die wunderbare Dusche, löffle einen Jogurt und mache mir einen Mango-Limetten-Smoothie – der Tag könnte definitiv schlimmer sein.
Es war anstrengend und nicht wirklich ganz locker, aber es tat unheimlich gut. Die Entfernung bleibt, der Zweifel und der Wunsch dies zu ändern ebenfalls, aber ich bin in kein Loch gefallen sondern habe mein Antidepressiva genutzt. Danke das ich laufen darf!

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ultraistgut Juli 13, 2009 um 18:07

Da sieht man wieder:

Hast du Kummer, hast du Sorgen, ziehe die Laufschuhe an und tauche unter, ein Wundermittel, hilft gegen Stress, Ärger und auch gegen Traurigkeit, wie man hier schön lesen kann.

16,2 Kilometer bei 27 Grad, Julchen, Julchen, so langsam aber sicher mausert sich Pienznäschen, das hättest du vor einem Jahr noch nicht laufen können – schon gar nicht unter solchen tropischen Bedingungen – oder ?

” Es war anstrengend und nicht wirklich ganz locker, aber es tat unheimlich gut.”

Genau, es tut unheimlich gut !

Super gemacht, Julchen – und bitte nicht traurig sein ! ;)

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Bernd Juli 13, 2009 um 18:56

Stolze 16,2 km sind wirklich ein Grund stolz zu sein. Ich laufe höchstens 12 km am Stück und das erst recht nicht bei 27 Grad. Das kann ich wirklich nur bewundern. Wir hatten hier heute auch mindestens 26 Grad und statt zu laufen war ich wieder mit dem Rad unterwegs.

Ich finde Deine Leistungen einfach toll. :-)

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michi Juli 13, 2009 um 20:13

Liebes Pienzi, es ändert leider nichts an der Entfernung, Überlegungen, Traurigkeit und Hoffen auf ein schnelles Wiedersehen, aber es pustet den Kopf durch, und vielleicht eröffnet dies neue Horizonte oder ändert den Blickwinkel.

Denke an die schönen Wochenendstunden zurück, das zaubert wieder ein Lächeln in Dein Gesicht.

Und hey, 16,2 km bei dem Wetter … alle Achtung! :-)

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salli Juli 13, 2009 um 20:15

Hhmm, ist schon ein blödes Gefühl, wenn liebe Menschen wieder abreisen und dann diese Leere hinterlassen – seufz – aber sie sind ja nicht aus der Welt.

Bei 27 Grad so weit laufen, mit so wenig Schatten, puh, das ist echt ‘ne Leistung. Die Dusche hinterher hat sich bestimmt phantastisch angefühlt.
Dazu Mango-Limetten-Smoothie, das hört sich ja sooo lecker an. Wie macht man sowas? Kann man das auch als völlige Koch-Niete hinbekommen?

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Martin Juli 13, 2009 um 20:37

Es sind d i e s e Läufe, die das Laufen ausmachen. Zuerst glaubt man nicht daran, dann stellt man fest dass es wirklich geht und am Schluss freut man sich einfach. Laufen verändert die Sichtweise im Leben.

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Christian Juli 13, 2009 um 20:58

Liebe Julia,
was kann es schöneres geben, als sich noch etwas weiter kämpfen und schon bald zu denken: schade, dass es fast schon wieder zu Ende ist 8-)
Die Strecke bei den Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit, Respekt.

Salut

Christian

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LocalZero Juli 13, 2009 um 21:16

Egal, ob Sonntag oder Montag – die langen Läufe fallen bei diesem Wetter wohl niemandem so richtig leicht. Es fehlt die frische Luft und stattdessen dampft man so fröhlich vor sich hin.

Beine ok, Rest auch ok, aber der Kopf will nicht – oder ist zumindest laufmüde… ja, das ging mir gestern auch so. Blöd, wenn man dann mittendrin noch eine Bonusrunde (Hügel runter und wieder rauf) laufen darf, nur die gewünschte Streckenlänge (das Minimalziel!) zu erreichen…

Dusche & Getränke nachher sind dann allerdings wirklich umso schöner.
Und dann freut man sich doch schon wieder auf den nächsten langen Lauf, oder?

Viele Grüße
Lars

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Pienznaeschen Juli 13, 2009 um 22:27

@Margitta, nein nur ein wenig traurig noch und wenn, dann laufe ich morgen noch eine kleine Runde … ich habe ja ein Mittel dagegen ;)
ICh mausere mich ganz langsam … immer mal etwas mehr und bloß nicht zuviel auf einmal … Vor einem Jahr, mhhh, nein da wäre ich nicht so weit gekommen – ein schönes Gefühl :D

@Bernd, Du bist einfach nur lieb und Wärme ist so gar nicht Deines, gell ;)

@Michi, es ändert nichts aber gerade dieses Kopf freipusten ist soviel Gold wert. Die schönen Erinnerungen haben es auch leichter wenn der Kopf frei ist und das Lächeln ist gerade da ;)

@Salli, die Dusche war einfach nur der Hammer.
Mango-Limetten-Smoothie ist ganz einfach: Eine Mango pürieren, den Saft einer Limette dazugeben und mit Crushed-Ice auffüllen (und wenn man mag, dann mit etwas Sprudelwasser auffüllen, was ich jedoch immer weg lasse) umrühren und fertig. Lecker. Ich leibe es im Sommer!!

@Martin, ja wenn ich drüber nachdenke dann sind es wirklich solche Läufe und vieles wird einfach leichter …

@Christian, ja und plötzlich war es nicht mehr weit;)

@Lars, gut das ich solche Bonusrunden nicht vor der Tür habe ;)
Ja, ich freue mich schon – auch wenn es warm sein könnte ;)

L a u f e n i s t s c h ö n ! ! !

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Gerhard Juli 13, 2009 um 22:34

Sehr schön – das hört sich richtig gut an. 16 km bei der Hitze ist eine stolze Leistung. “Und plötzlich war es nicht mehr weit”. Tja – so ändern sich die Perspektiven.
Bravo. Gerhard

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Hannes Juli 13, 2009 um 23:22

Traurig und doch zufrieden tönt dein Bericht. Du hast es genau richtig gemacht und hast zumindest kurzzeitig den Kopf frei gelaufen. Nein, das Laufen löst die Probleme nicht. Aber es hilft, mit ihnen fertig zu werden.

Toll, dass du dabei dann gleich eine so große Runde drehen konntest. So eine lange Strecke bei der Hitze – das zehrt an den Kräften. – Vielleicht tat es gerade deswegen so gut? =)

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Evchen Juli 14, 2009 um 10:39

Hach, das kenne ich noch zu gut. Bisher trennten mich auch immerhin 250km von der alten Heimat, aber seit jetzt ziemlich genau einem Jahr wohnt meine Mum bei uns in der Stadt.
Ich kann Deine leise Wehmut soooo gut verstehen, Julchen!

Der Lauf, so ällabäh er auch erst war, hat wieder alles an seine angestammte Stelle gerückt, gell? Und Sechzehn (Woooha!) Kilometer sind ein feines Stück! *applause*

Psst, hab gleich eine klitzekleine Aufmunterung füa Düsch. ;-)

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dauerlaufen Juli 14, 2009 um 21:24

Warum ist denn das Nass orange? Lag es an der Hitze? Oder an der Entfernung? Glückwunsch zur Entscheidung doch den langen Lauf anzugehen. Genieß es.

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Pienznaeschen Juli 14, 2009 um 21:25

@Gerhard, die Perspektiven ändern sich eigentlich sehr schleichend und gerade bei solchen Erlebnissen werden sie mir erst wirklich bewusst … der Weg ist noch weit, aber das Ziel erreichbar ;)

@Hannes, wahrscheinlich war es genau deswegen so wertvoll, ja ich glaube Du hast es genau getroffen.

@Evchen, das freut mich für Euch beide unheimlich. Mhhh, das wird bei mir nichts werden das sie hierher ziehen. Meine Eltern haben in Hamburg ihren Freundeskreis und die könnte man nicht einfach umsiedeln, das würde uns allen nicht gut tun, nein. Mhhh, aber wir können auch nicht einfach nach HH ziehen … mhhh, irgendwie blöd, blöd, blöd.
Danke :D da habe ich mich eben wirklich gefreut :D Es ist gut das unsere so unterschiedliche Entwicklungsstände haben, dann haben wir zusammen mehr von den Blüten ;)

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Pienznaeschen Juli 14, 2009 um 21:28

@Dauerlaufen, das Nass ist orange weil das Wasser so “heilig” oder platter formuliert kupferhaltig ist. Also das Wasser an sich nicht wirklich, aber dort wo es aus der Quelle kommt und in die Nidda fließt ist alles ganz orange … werde mal bei Gelegenheit ein Foto machen statt hier rumzustammeln ;)

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Anett Juli 15, 2009 um 12:05

16Km? Bei DEM Wetter? Toole Leistung….ich bekomm im Moment irgendwie nix so recht zu stande. Mal ist es zu nass, mal zu warm, mal zu trübe, mal zu….hmpf….ganz ehrlich….ich hab wenig Lust zum laufen….umso schöner zu lesen, das es bei anderen gut klappt. Freu mich für dich.

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Kai Juli 16, 2009 um 11:51

Im Moment überwinden alle ihren inneren Schweinehund, auch dir Glückwunsch dazu. Ich dachte schon bei euch im Brunnen gibt es Orangensaft ;-)

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Indy Juli 16, 2009 um 12:49

Na, das klingt zwiespältig…aber Laufen löst das ein oder ander Problem bei der Ausführung..

und die Strecken werden schon noch länger… nur nicht ungeduldig werden 8-)

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Pienznaeschen Juli 16, 2009 um 21:54

@Anett, die Lust kommt bei Dir wieder und dann … da mach ich mir bei Dir so überhaupt und gar keine Gedanken, ehrlich nicht ;)

@Kai, Hallo und willkommen!
Der innere Hund ist bei mir meist sehr sehr still oder zumindest harmlos ;)
Ne, O-Saft nicht – hach, ich werde mal ein Beweisfoto machen.

@Indy, Laufen ist einfach nur ein tolles Hilfsmittel.
Ja, das werden sie bestimmt werden … ich brauch eben nur etwas länger ;)

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Gerd Juli 19, 2009 um 18:45

So ein 16er bei den Temperaturen! Respekt!
Gruß aus dem Urlaub!

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Pienznaeschen Juli 19, 2009 um 22:33

Wenn ich jetzt dran denke, dann war das Wetter gar nicht so heiß ;)
Erhol Dich gut und blog nicht zuviel (DOCH, ich freue mich immer von Dir zu lesen – so war das nicht gemeint ;) )

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Christine Juli 20, 2009 um 20:28

Tolle lange Strecke!! Da kommt doch bestimmt bald der erste HM, oder?? Vielleicht der hier http://www.offenbacher-lc.de/veranstaltungen/mainuferlauf/index_ausschreibung.php im Oktober ??

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Pienznaeschen Juli 20, 2009 um 22:25

@Christine, bestimmt kommt der irgendwann mal – nur ob so bald bin ich mir mehr als unsicher und Oktober ist schon zu bald … nächstes Jahr im Februar/März wüsste ich auch schon einen ;)

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