Ich laufe heute mit den Worten “Wenn es gut läuft bin ich in 90 Minuten zurück – wenn ich vor einer Stunde wieder da bin, dann frag nicht wie es war“ und der Gewissheit das er mich abholt wenn ich anrufen los. Ziellos und skeptisch, doch schon während der ersten Meter reift mein Plan an die Nidda zu laufen, dort an den Sternchens vorbei und nach 7,5 Kilometern umzudrehen und zurück. Simpel, aber es wären dann 15 Kilometer die ich erst einmal gelaufen bin. Das das nicht ideal ist, weiß ich – die längste Strecke waren dieses Jahr meine 13 Kilometer, die waren schon anstrengend für die Beine und das Fräulein Wade gibt es auch immer noch … aber ich will heute nicht vernünftig sein – ich bauch das heute für mich.
Der Himmel ist bewölkt, die Sonne verdeckt und wenige Tropfen fallen gleich auf mich herab. Aber Robbie begleitet mich heute und so laufen wir beide beschwingt Richtung Nidda. Spannend, den Gedanken ob und wie ich es schaffe verdränge ich – rede mir immer wieder gut zu und halte meine Option mit dem Anrufen für ideal und realistisch. Kilometer 4 bis 7,5 läuft ein Herr immer dicht hinter mir, er überholt nicht, ich höre seine Schritte und weiß das er da ist … komisch, aber ich weiß das ich nicht schneller werden darf und langsamer werden will und so lasse ich ihn dort wo er sich scheinbar wohlfühlt und versuche weiter möglichst gleichmäßig zu laufen. Tempogefühl habe ich immer noch nicht, aber ich kann wenigstens zwischenzeitlich ein Tempo durchlaufen ohne immense Differenzen in den Kilometern zu haben – das mach mich ja schon glücklich und vielleicht den Herrn auch?! Es läuft, Robbie singt und schwups an den Strenchens vorbei und schon ist der Kilometer 7,5 ist erreicht und nun muss der Herr alleine weiter laufen.

Leider an keiner schönen Stelle und die Sonne soll auch erst später heraus kommen, aber das kann ich nun auch nicht ändern und so knipse ich schnell mein „Beweis“-Foto und setzte mich langsam wieder in Bewegung Richtung zu Hause – sind ja nur noch 7,5 Kilometer. Das Anlaufen geht besser als gedacht und nun könnte ich von der Option zum ersten mal gebrauch machen. Aber nein, ich rufe nicht an und lasse mich nicht in Harheim abholen, statt dessen spiele ich mit dem wahnwitzigen Gedanken zu Hause noch eine Runde Park dranzuhängen. Die nächste Gelegenheit kommt und auch nun ist meine Option keine Option für mich. Obwohl ich bei Kilometer 11 stehen bleiben muss um meine Oberschenkel-Po-Maulstellle zu dehnen und ich die gelaufenen Kilometer doch schon spüre. Aber auch da geht das Anlaufen noch erstaunlich gut und die letzte Möglichkeit meiner Option ist bei Kilometer 13 und eigentlich kann ich auch nicht mehr gut – aber nein, die zwei laufe ich auch noch! Ob hier nun noch von laufen zu sprechen ist, bezweifle ich. Meine Beine sind müde, schwer und schreien auf ihre Art in dem sie einfach irgendwie weh tun und verdammt einfach nicht mehr wollen. Letztendlich komme ich laufend zu Hause an, laufe noch 120 Meter an der Haustür vorbei um auch wirklich die 15 voll zu machen und bin happy. Die Treppe in den ersten Stock bin ich schon mal flüssiger hoch gekommen aber dafür strahle ich wie blöde vor mich hin. Er fragt nicht, aber auch nur weil ich ihm meine Forerunnerin ohne Worte und die Nase halte.
Die Optionen anrufen zu können, tut unheimlich gut – auch wenn ich von Anfang an wusste das ich sie nie wirklich nutzen wollte.


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