Als ich heute morgen mal kurz um 5.23 Uhr wach werde regnet es fröhlich vor sich hin und ein heftiger Wind pustet vor sich hin – na super, weiterschlafen und wenn dann der Wecker klingelt ist das Wetter besser. Ist es nicht wirklich, aber was soll´s.
Aufgeregt bin ich doch ziemlich, es ist windig und bewölkt, sieht teilweise verdammt dunkel aus und trotzdem sind auch kleine blaue Fetzen Himmel zu erkennen. 15 Minuten vor dem Start stehen wir im Wind, frösteln vor uns hin, halten Smalltalk (wie Volksläuferprofis beim dritten mal), es wird Aufwärmgymnastik angeboten, auf die ich vorsorglich verzichte weil ich mich Paddelchen kenne.
Der Start ist ungünstig, ein relativ schmaler Weg so das die 370 Läufer ziemlich weit hintereinander stehen müssen. Wir stehen relativ weit hinten und es beginnt 5 Minuten vor dem Start zu regnen, nicht gerade wenig und so stehe ich im grünen Abgrund und versuche etwas Regenschutz durch die anwesenden Büsche zu erhaschen. Mein Puls ist bei 116 Schlägen (ich bewege mich kein Stück) und nun kommt´s. Dieses geanker soll nun mal zeigen was es kann und ja es funktioniert, ich werde ruhiger und mein Puls geht auf 93 Schläge runter. Ob das nun wirklich genakert war oder einfach nur Einbildung ist mir an dieser Stelle sowas von egal, denn es hat gewirkt. Sollte mich wer beobachtet haben der wird sich seinen Teil gedacht haben …
Der Start erfolgt, es dauert und dauert bis wir uns in Bewegung setzten, es stoppt nochmal und dann geht´s los! Als ich die Startline überschreite drücke ich das Startknöpfchen – ab zählt es. Passend wie ich mir meine Musik zusammen gestellt haben beruhigt und beglückt mich Herbert mit “Glück”. Die ersten beiden Kilometer gehen flott vorbei, ich habe mir eine Dame als Michi-Ersatz ausgesucht, doch nach Kilometer zwei zeigt sich das sie kein würdiger Ersatz ist und ich laufe “alleine” weiter. Jetzt kommen uns die ersten ganz schnellen entgegen, ein schön komisches Gefühl und ich lache jeden an (viele der ganz schnellen sind so fixiert das sie scheinbar nichts um sich herum wahr nehmen), Wahnsinn wie schnell die sind. Den folgenden halben Kilometer geht es an der Landstraße entlang und der Wind haut böse von vorne rein, aber der Schnitt stimmt und als wir wenden und nun Rückenwind haben müssten ist der Wind urplötzlich verschwunden. Jetzt sind wir bei der Wendestrecke die Zurückkommer und ich lache weiter jeden an. Es geht mir gut, ich habe Spaß! Wenige aber doch stätig überholen wir und jedes mal hoffe ich nur das mich keiner mehr rücküberholen mag. Die Sonne kommt etwas durch und es läuft. Ich gucke nur nach meinem virtuellen Partner und der ist zufrieden und zeigte immer 3 Sekunden +/-. Ich hatte ihn auf 5.59 Minuten programmiert, das das eine knappe Kiste ist war mir klar, aber mehr habe ich mir definitiv nicht getraut. Kurz vor Kilometer 5 schließen wir auf eine Frau und einen Mann in orange auf, die beiden klönen und laufen und ich beneide sie dafür. Ich mag nicht reden das kostet mir zu viel Luft. Der gute fragt danach nicht und weil er mit mir zu reden scheint nehme ich ein Knöpfchen aus dem Ohr und betreibe ein wenig Konservation. Ich beim laufen, bei einem Volkslauf den ich in Bestzeit laufen will – bin ich irre frage ich mich nur innerlich. Er und die Frau bescheinigen mir das ich locker aussehen würde und dann kommt auch schon ein Getränkestand, einen Tropfen in den Mund und den Rest über die Handgelenke (ich glaubte bereits beim letzten Mal das es gut ist).
Jetzt sind wir an der Nidda, der Wind hat wieder mehr Angriffsfläche und es taucht ein älterer Herr auf der sich zwischen Dirk und mir schummelt und irgendwas faselt das er nicht überholen will, sondern nur die Gruppe wechseln will. Er läuft neben mir, dicht neben mir, so dicht neben mir das er mich ständig berührt und innerlich flippe ich aus. Ich mag das nicht, ich ertrage es nicht, innerliche brodelt es und äußerlich lasse ich mir nichts anmerken. Irgendwann laufe ich zur Seite und da mein Schatz mich verdammt gut kennt, weiß er was Sache ist und schließt blitzschnell neben mir auf. Danke!!! Von hinten kommt ein blondes junges Mädchen (hinterher habe ich erfahren das sie die 15 Kilometer gelaufen ist) das überholt und ich beschließe hinter ihr zu bleiben, der Mann in orange ebenfalls und nun quatschen die beiden vor uns. Kilometerschild „noch vier Kilometer“ liegt hinter uns, der Wind weht böig bös, wir überholen noch ein zwei Mal, dann sind es nur noch 3 Kilometer. Es ist anstrengend aber es geht, der virtuelle Partner ist auf Kurs und somit bin ich es auch und nun gibt Dirk kurz bescheid das er nur noch so schnell kann wie er eben kann. Schnell ein Handkuss und dann bin ich allein – nein, der orange Mann und das blonde Mädchen sind vor mir, neben mir und ein wenig schwatzen wir, er ist einfach nur goldig. Bis hierhin ist alles noch paletti, dann biegen wir von der Nidda weg, es kommt das “noch 1 Kilometer Schild”, mir geht es den Umständen entsprechend und ich erinnere mich etwas von Serpentinen gelesen zu haben. Was ist das eigentlich bei einem Volkslauf genau? Wenig später werde ich es erfahren und spüren, ein kleiner Waldweg schlängelt sich im Zickzack hin und her und vor allem hoch. Das sieht im Höhenprofil so harmlos aus, in dem Moment war es alles andere als harmlos, das blonde Mädel wird kaum langsamer, der orange Mann erklärt mir das er zu schwer ist (sah aber nicht wirklich so aus) und fällt zurück. Irgendwie komme ich da hoch, bete das es nun nicht mehr weit ist und gucke auf meine Forerunner und sehe den Schrecken “38 Sekunden zurück!!!”. Ich kann nicht mehr, ich kann das Ziel noch nicht stehen und versuche alles was geht, erreiche wieder das Mädel aber den Gedanke sie noch zu überholen ersticke ich im Keim, denn ich kann nicht mehr. Irgendwer ruft zu ihr links und zu mir rechts und ich bin irritiert. Wo ist rechts, warum und wo soll ich hin – gestikuliere und irgendwer zeigt nach rechts. Ziel, Zielline, Stoppknöpfen drücken und geschafft. Ich höre den Sprecher sich versprechen und dann „nein Julia – ein Julchen im Ziel“ und in dem Moment weiß ich das ich Julchen wohl niemals los werde und grinse in mich hinein.
Meine Uhr zeigt 59.52 und 9,97 Kilometer – damit hätte ich es inoffiziell geschafft, offiziell jedoch nicht. Die Ergebnisse sind noch nicht online, aber da wir doch weiter hinten standen ist es offiziell nicht geschafft. Punkt. Ich habe keine Lust auf was-hätte-wäre-wenn weniger Wind oder keine Serpentinen – nicht geschafft ist nicht geschafft. Ich freue mich trotzdem wie blöde und hey ich weiß heute sicher, das ich es auch offiziell schaffen werde!
Vielen lieben Dank für all die gedrückten Daumen, ihr seid toll!!! 
Danke an die Technik denn ohne meinem virtuellen Partner wäre ich niemals so gelaufen:
6.00 / 5.56 / 6.04 / 5.57 / 6.01 / 5.59 / 6.02 / 5.48 / 6.00 und 6.11 Minuten
Und der Kuchen war lecker, sehr lecker und es musste heute zwei Stück sein!
Nachtrag: offizielle Zeit: 01:00:12


Eine Runde um den Sportplatz, drei Runden durch die Felder mit je einem guten Kilometer bergauf und dann noch mal eine Runde um den Sportplatz und geschafft. Der Plan ist durchaus schaffbar mit einem 6,30 Minuten Schnitt, der 7 Minuten am Berg zugesteht und 6 Minuten bergrunter fordert um dann mit 1 Stunde und 5 Minuten das Ziel zu erreichen. Trotzdem bin ich aufgeregt und das ist leider nicht förderlich aber auch nicht zu ändern.
Um 8.30 Uhr traben wir langsam zum einlaufen zu Hause los, Nebel hängt im Park und es ist mit 9 Grad noch recht frisch und nach einem guten Kilometer sind wir schon am Sportplatz angekommen. Anmelden, Nummer befestigen, zweimal Pipi machen und aufstellen geht ratzfatz und ich tüddel noch an meinem Ipod rum, da knallt es ohne Vorwarnung und los gehts – hui, wenigstens meine Forerunnerin war bereit und so lief ich eben mit irgendwas in den Ohren los. Eine Runde auf dem Sportplatz ist schnell absolviert wenn man noch ganz frisch ist.
Auf zur ersten Runde und der erste Kilometer ist mit 6,05 Minuten schneller als geplant, doch schon beim 2 Kilometer beginnt das erste Mal die Steigung und der ist mit 6.45 Minuten immer noch wunderbar und beinahe zu schnell, denn noch sind wir ganz am Anfang. Pink begleitet mich im Ohr und langsam hat jeder sein Tempo gefunden, das Überholt werden und Überholen hört auf. Irgendwann sind wir oben und es geht wieder runter, dieses runter ist gut zum erholen für die nächste Runde. Kilometer drei ist mit 6,28 Minuten genau richtig. Als wir zum ersten Mal wieder am Sportplatz sind, überrundet uns der Erste. Wahnsinn wie schnell der unterwegs ist oder wie langsam wir sind. Aber egal und ich fühl mich gut, wirklich gut.
Auf zur nächsten und somit vorletzten Runde (ich denke mich halt froh), wieder am Bach entlang und dann bergauf bis nach ganz oben. Kilometer 4 ist nach 6.17 Minuten geschafft und Kilometer 5 nach 6.46 Minuten und somit wieder voll im Berg und in der Zeit. Dieses zweite mal hoch überholen wir eine Frau und ihren Mann und wissen noch nicht das wir die beiden nochmal sehen werden – ich frag mich nur ob es nicht größenwahnsinnig ist am Berg zu überholen. Der 6 Kilometer ist bergab mit 6.23 Minuten geschafft und dann sind wir wieder am Sportplatz und ich versuche während des Laufens etwas zu trinken. Es bleibt bei dem Versuch, meine Lippen sind nass und meine Hände – nicht mehr und nicht weniger. Aber es tut gut zumal die Sonne nun durchgekommen ist und es warm ist.
Letzte Runde, nur noch einmal hoch und dann runter … es wird anstrengender – vor allem das Hochlaufen aber da müssen wir nun durch. Zwischen zwei Liedern höre ich Dirks nun doch lauteren Atem und bin froh als Pink wieder einsetzt. Mich bringt das sonst völlig durcheinander bzw. ich beginne unterbewusst wie der jeweilig andere zu atmen und veratme mich dann total – das ist zumindest heute meine Theorie das mir die Musik helfen wird. Kilometer 7 ist am Bach völlig flach und nach 6.07 Minuten Geschichte. Erstaunlich gut komme ich das dritte und somit letzte mal hoch, keine Frage es ist definitiv anstrengend aber es geht, wir kommen oben an und nun geht es „nur“ noch runter und auf den Sportplatz. Kilometer 8 wird mit 6.48 Minuten verbucht und ist somit immer noch schneller als meine geplante Bergpace. Wann beginnt man schneller zu werden, noch sind es 1,5 Kilometer … ne, noch nicht, dann kann ich zu früh nicht mehr … vielleicht auf dem Sportplatz wenn es noch 400 Meter sind … ? Das oben bereits schon einmal erwähnte Pärchen überholt und und nun – keine Frage – fange ich an Gas zu geben. Es ist noch immer ein guter Kilometer zu laufen und eigentlich ist mir das schneller werden noch zu früh aber ich denke mir: Wenn nicht jetzt, dann nie bzw. wenn die beiden zu weit weg kommen, dann sind die vor mir. Also dranbleiben, große Schritte machen, ich habe lange Beine, große Schritte machen, gleichmäßig atmen, laufen und die Arme mitnehmen … es fühlt sich schnell an, es strengt an aber es geht für diesen Zeitpunkt gut. So eine Zufallsmusik ist perfekt, als die beiden überholen beginnt gerade das für mich in diesem Moment passendste Lied überhaupt: „Let me think about it“ und auf dem Sportplatz habe ich nur kurz Peter Fox wahrgenommen und mehr nicht wirklich.



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